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Wirtschaft Österreich

Alexis von Hoensbroech über das Reisen in Zeiten von COVID-19 und verhaltenen Optimismus

Austrian-Airlines-CEO spricht über aktuelle Herausforderungen im Flugverkehr und die Rückkehr zur Reisefreiheit. Er ist trotz eines harten Winters optimistisch.

„Trotz aller Möglichkeiten der Digitalisierung brauchen Handelsbeziehungen den persönlichen Kontakt und Austausch. Die Einschränkungen im Flugverkehr zwischen Österreich und den Vereinigten Staaten sind eine enorme Belastung für die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Österreichs zweitgrößtem Handelspartner“, leitet Präsident Martin Winkler (Oracle) in das Business Breakfast der American Chamber of Commerce in Austria mit Austrian-Airlines-CEO Alexis von Hoensbroech ein.

Transatlantikstrecken haben sowohl für den Standort als auch die Airline eine hohe Bedeutung

4,5 Milliarden Menschen sind letztes Jahr noch mit dem Flugzeug gereist. Der Flugverkehr ist eine der Tragsäulen der globalisierten Wirtschaft und trägt zum steigenden Wohlstand auf der ganzen Welt bei. Trotzdem hat erst ein Fünftel der Weltbevölkerung in einem Flugzeug Platz genommen. Die Transatlantikrouten sind die ökonomisch wichtigsten Verbindungen im globalen Flugverkehr und auch für den österreichischen Flagcarrier kommerziell hoch relevant. Rund 35 Millionen Menschen überqueren jährlich den Atlantik. An Bord der täglich sechs Austrian-Jets flogen rund 800.000 Passagiere jährlich zwischen Österreich und mehreren Destinationen in den USA. Insgesamt checkten im letzten Jahr rund 15 Millionen Passagiere bei Austrian Airlines ein.

„Austrian Airlines war vor der Pandemie eine mittelgroße, gesunde europäische Airline mit geringen Schulden, die mit ähnlichen Themen wie CO2-Emmissionen – wie die gesamte Branche – konfrontiert war“, erläutert der CEO im Videotalk.

Bereits Ende Jänner 2020 erlebte die Fluggesellschaft einen massiven Einbruch der Nachfrage, bis sie schließlich am 19. März 2020 ihre Flotte grounden musste. Der letzte planmäßige Flug landete aus Chicago in Wien. 7.000 Mitarbeiter standen über Nacht vor einer ungewissen Zukunft.

Repatriierungen und Frachtflüge waren emotionale Angelegenheit für die ganze Airline

Rund 50.000 Österreicher befanden sich bei Ausrufung des Shutdowns über die gesamte Welt verteilt. Gemeinsam mit dem Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten arbeitete der Carrier mit Hochdruck an den Repatriierungsflügen. Darunter fiel auch der längste Direktflug in der über 60-jährigen Geschichte der Airline, den eine Boeing 777 von Wien nach Sydney in Australien durchführte. Zudem stemmte Austrian mit unzähligen Frachtflügen eine logistische Mammutaufgabe im Aufbau einer Luftbrücke.

„Die neuen Aufgaben waren für das gesamte Unternehmen eine sehr emotionale Angelegenheit. In vielen Bereichen haben wir Neuland betreten“, blickt von Hoensbroech zurück.

Sehr schnell sah sich das Unternehmen mit der öffentlichen Diskussion konfrontiert, ob es überhaupt mit öffentlichen Geldern gerettet werden solle. Die Relevanz des Unternehmens für den Wirtschaftsstandort war schließlich ausschlaggebend für die Staatshilfen, mit denen Austrian einen wichtigen Beitrag für Österreichs Verbindungen in die ganze Welt leisten wird. Besondere Bedeutung kommen dem Streckennetz und den Transferpassagieren zu, die das für die internationale Vernetzung wichtige Langstreckennetz erst profitabel machen.

„Die deutsche Hauptstadt Berlin bietet fünf Langstreckendestinationen an, weil sie keinen Hub-Carrier hat und primär von Low-Cost-Airlines angesteuert wird. Austrian bedient von Wien aus 25 Langstreckendestinationen“, macht von Hoensbroech die Standortrelevanz seines Unternehmens deutlich.

Reisebeschränkungen sind keine Lösung

Aktuell hat Austrian Airlines mit sehr kurzfristigen Reiserestriktionen zu kämpfen, die es sowohl der Airline als auch ihren Passagieren sehr schwierig machen, langfristig zu planen. Derzeit wird maximal zwei bis drei Wochen im Vorfeld gebucht, da die Entwicklung der Pandemie und der nationalen Restriktionen nicht absehbar ist. Die rot-weiß-rote Lufthansa-Tochter bedient momentan rund ein Drittel ihres üblichen Angebots.

„Reisebeschränkungen sind die falsche Lösung und schaden der Wirtschaft. Die Lösung, um die Reisefreiheit zu erhalten, liegt in Schnelltests“, ist der Airline-Manager überzeugt.

Er verweist auf die detaillierten Daten, die der Fluglinie zur Verfügung stehen und das Contact-Tracing im Verdachtsfall vereinfachen. Zudem ist das Fliegen per se durch die Maskenpflicht an Bord von Austrian Airlines und die modernen HEPA-Filter und Klimaanlagen sicher. Bisher sind keine Ansteckungsfälle an Bord von Flugzeugen bekannt geworden.

„Wir erwarten, dass der internationale Flugverkehr auf ein Niveau von rund 70 bis 80 Prozent des Vor-Pandemie-Niveaus zurückkehrt, wenn das Virus medizinisch unter Kontrolle kommt. Wie lange das dauert, weiß keiner. Die Menschen wollen reisen und die Wirtschaft braucht den Flugverkehr. Allerdings steht uns mindestens noch ein harter Winter bevor“, blickt von Hoensbroech in die Zukunft.

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