WE&ME Award: Biologische Unterschiede bei ME/CFS entschlüsseln – BILD

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Multisystemerkrankung ME/CFS gewinnen – dieses Ziel verfolgt die WE&ME Foundation. Der Epidemiologe Matthias Wielscher von der Medizinischen Universität Wien kann dank dem über die alpha+ Stiftung des FWF vergebenen WE&ME Award erforschen, warum die Krankheit nicht für alle gleich verläuft. Für dieses Projekt stellt die WE&ME Foundation 450.000 Euro zur Verfügung. Darüber hinaus fördert der FWF drei weitere ME/CFS-Projekte in Wien und Innsbruck mit 1,3 Millionen Euro.

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Wien (LCG) – Der erstmals vergebene WE&ME Award zählt mit 450.000 Euro zu den höchstdotierten privat finanzierten Forschungspreisen Österreichs und fördert Grundlagenforschung zur Multisystemerkrankung ME/CFS. In einem kompetitiven Auswahlverfahren auf Basis internationaler Expertengutachten konnten der Epidemiologe Matthias Wielscher sowie drei weitere Forschende überzeugen. Wielschers Projekt erhält den WE&ME Award und wird mit einer Spende von der WE&ME Foundation an die alpha+ Stiftung in Höhe von 450.000 Euro finanziert. Darüber hinaus fördert der Wissenschaftsfonds FWF drei weitere Forschungsprojekte zu ME/CFS mit insgesamt 1,3 Millionen Euro.

„Wir freuen uns sehr über die Unterstützung durch die WE&ME Stiftung und den FWF. Diese Förderung gibt uns die Möglichkeit, unsere genetische Forschung zu ME/CFS konsequent weiterzuentwickeln. Unser Ziel ist es, genetisch unterschiedliche Krankheitsuntergruppen besser zu verstehen und damit die Grundlage für präzisere Diagnostik und zukünftige personalisierte Therapieansätze zu schaffen“, so Matthias Wielscher über den WE&ME Award.

„Wir haben uns für das Projekt von Matthias Wielscher entschieden, da es für uns einen zentralen Punkt in der aktuellen biomedizinischen Forschung zu ME/CFS darstellt, die Heterogenität dieser Erkrankung zu beachten, und weil fehlende Stratifizierung der Patientinnen und Patienten einheitliche Studienergebnisse verhindert, und damit auch zielgerichtete Therapien. Genetische Studien und Übereinstimmungen ermöglichen eine präzisere Subtypisierung mit dem Ziel, unterschiedliche Krankheitsmechanismen zu entschlüsseln und in der Folge Ansatzpunkte für Diagnostik und Therapien zu liefern. Auch die notwendige internationale Vernetzung und Zusammenarbeit mit dem größten genetischen Datensatz für ME/CFS (DecodeME), dessen Sequenzierung unter anderem auch von WE&ME unterstützt wird, ist ein wesentlicher Baustein dieses Projekts“, so Gabriele Ströck von der WE&ME Stiftung zur Wahl des WE&ME Awards.

„Hinter jeder Forschungsfrage zu ME/CFS stehen Menschen, deren Leben durch diese schwere Erkrankung grundlegend verändert wurde. Sie schränkt tausende Betroffene massiv ein und wirft zugleich noch immer viele wissenschaftliche Fragen auf. Umso wichtiger ist es, dass wir mit dem WE&ME Award und drei weiteren vom FWF geförderten Projekten gezielt in exzellente Grundlagenforschung investieren. Die ausgezeichneten Projekte schaffen wichtige Grundlagen, um die biologischen Ursachen der Erkrankung besser zu verstehen und neue Ansätze für Diagnostik und Therapie zu entwickeln. Mein herzlicher Dank gilt der WE&ME Foundation für ihr außergewöhnliches Engagement. Gemeinsam mit dem FWF ermöglichen wir Forschung, die konkrete Perspektiven für Betroffene schafft“, so Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner.

„Die neuen Projekte zeigen, dass es möglich ist, mit privaten Spenden an die alpha+ Stiftung exzellente Grundlagenforschung auszubauen und im konkreten Fall das Verständnis von ME/CFS zu verbessern. Mein besonderer Dank gilt der WE&ME Foundation für ihr außerordentliches Engagement im Sinne tausender Patientinnen und Patienten. Partnerschaften zwischen öffentlichen Förderinstitutionen und privaten Stiftungen schaffen zusätzliche Möglichkeiten, wissenschaftliche Fortschritte dort zu ermöglichen, wo sie besonders dringend gebraucht werden“, so FWF-Vizepräsidentin und alpha+ Vorstandsmitglied Ursula Jakubek.

„Es freut mich sehr, dass an der MedUni Wien zwei weitere Forschungsprojekte zu ME/CFS starten können. Partner wie die WE&ME Foundation leisten einen wichtigen Beitrag, um die Forschung auf diesem Gebiet voranzubringen. Sie schaffen zusätzliche Möglichkeiten, eine Erkrankung zu erforschen, die wir noch wesentlich besser verstehen müssen“, so Markus Müller, Rektor der Medizinischen Universität Wien.

WE&ME Award: Biologische Unterschiede bei ME/CFS entschlüsseln

ME/CFS ist eine sehr heterogene Erkrankung. Patienten unterscheiden sich nicht nur in ihren Symptomen, sondern wahrscheinlich auch in den biologischen Mechanismen, die ihrer Erkrankung zugrunde liegen. Wenn jedoch alle Betroffenen gemeinsam untersucht werden, überlagern sich diese unterschiedlichen Krankheitsmechanismen. Dadurch wird es schwieriger, genetische Ursachen zu erkennen und neue Therapieansätze zu entwickeln.

Mit dem WE&ME Award werden Matthias Wielscher sowie Kathryn Hoffmann als beteiligte Forscherin unter dem Titel „Mechanistische Endotypen bei ME/CFS“ diese Heterogenität aus zwei unterschiedlichen Perspektiven untersuchen und daraus biologisch sinnvoll definierte Untergruppen von Patienten ableiten.

Der erste Ansatz basiert auf klinischen Daten. Hier analysiert das Team Symptome, Begleiterkrankungen, Behandlungsversuche sowie Fragebogendaten aus großen Patientenkohorten. Ziel ist es, Patienten zu identifizieren, die ähnliche Krankheitsverläufe oder Symptomkombinationen aufweisen. Der zweite Ansatz nutzt genetische Daten. Dabei betrachten die Forschenden nicht einzelne Gene, sondern fassen viele genetische Varianten zu genetischen Mechanismus-Scores zusammen. Jeder dieser Scores beschreibt den genetischen Einfluss eines bestimmten biologischen Prozesses, beispielsweise Entzündungsreaktionen, Autoimmunität, Störungen der Energiegewinnung oder der Darmbarriere. Auf diese Weise werden individuelle biologische Profile erstellt. Es wird erwartet, dass manche Betroffene einen stärkeren genetischen Einfluss entzündlicher Prozesse aufweisen, während bei anderen genetische Veränderungen dominieren, die mit Autoimmunität oder Störungen der Gefäß- oder Barrierefunktion zusammenhängen. Diese Muster werden anschließend analysiert, um genetisch definierte Untergruppen von ME/CFS zu identifizieren.

Ein besonderer Schwerpunkt des Projekts ist der Vergleich beider Ansätze. Ziel ist es zu untersuchen, ob sich klinisch definierte und genetisch definierte Untergruppen gegenseitig bestätigen und dadurch ein besseres Verständnis der biologischen Vielfalt von ME/CFS ermöglichen.

Abschließend werden wir diese neu definierten Untergruppen im weltweit größten genetischen Datensatz für ME/CFS (DecodeME) suchen, um erneute genomweite Analysen durchzuführen. Matthias Wielscher erwartet, dass sich dadurch genetische Zusammenhänge erkennen lassen, die in bisherigen Analysen aufgrund der großen Heterogenität verborgen geblieben sind. Langfristig könnte dieses bessere Verständnis der unterschiedlichen Krankheitsmechanismen dazu beitragen, präzisere Diagnostik zu entwickeln und neue Ansatzpunkte für zielgerichtete Therapien oder die Wiederverwendung bereits zugelassener Medikamente zu identifizieren.

Das Projekt knüpft an die Ergebnisse eines Forschungsprojekts von Matthias Wielscher an, das 2024 von der WE&ME Stiftung und dem Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) gefördert wurde.

Weitere 1,3 Millionen Euro für ME/CFS-Projekte vom Wissenschaftsfonds FWF

Zusätzlich zu dem Projekt von Matthias Wielscher, das mit der privaten Spende der WE&ME Foundation an die alpha+ Stiftung ermöglicht wird, setzten sich drei weitere Projekte aufgrund ihrer Qualität und ihres Innovationsgrads im FWF-Verfahren durch: Mirjam Bachler von der Medizinischen Universität Innsbruck mit dem Projekt „Individualisierte Therapieansätze bei ME/CFS-PAIS mit PEM“, Lilian Konicar von der Medizinischen Universität Wien mit dem Projekt „INSPIRE Individualisierte Neurotherapie für CFS/ME – PEM“ und Katharina Ledebur vom Complexity Science Hub Vienna mit dem Projekt „TRACK-PEM: Erfassung und Analyse der Post-Exertional Malaise“. Diese drei Projekte werden vom FWF mit insgesamt 1,3 Millionen Euro gefördert.

Über die WE&ME Foundation

Die WE&ME Foundation (ehemals TEMPI Stiftung) wurde 2020 von Gabriele und Gerhard Ströck gegründet und hat ihren Sitz in Wien. Der Weg der Familie Ströck wurde durch die Auswirkungen von ME/CFS tiefgreifend beeinflusst und hat das Wesen und den Zweck der WE&ME Foundation mit unerschütterlicher Entschlossenheit geformt. Zwei ihrer drei Söhne sind von ME/CFS betroffen. Die WE&ME Foundation setzt sich für die Grundlagenforschung im Bereich ME/CFS ein. Sie möchte das Wissen aus Forschung, Medizin und Patientenerfahrung zusammenführen, bündeln und breite Awareness schaffen, damit die notwendige Patientenversorgung erzielt werden kann. Weitere Informationen sind auf weandmecfs.org zu finden.

Die WE&ME Foundation führt ihr Engagement in der Grundlagenforschung auch in Zukunft fort und wird weitere biomedizinische Projekte in Zusammenarbeit mit dem WWTF fördern. Der Consolidation Call (zwei Millionen Euro), der auf die erste Runde aufsetzt, wird Ende 2026 vergeben und startet im ersten Quartal 2027. Der von der WE&ME Foundation finanzierte und vom WWTF koordinierte Call „We&Me Projects“ (insgesamt zwei Millionen Euro), der sich vor allem auch an internationale Forschende richtet, inkludiert mit dem Patientenforum „Science for ME“ auch die Sicht der Betroffenen in der Jury. Die Einreichung startete im Juni 2026.

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Über die alpha+ Gemeinnützige Stiftung des Wissenschaftsfonds FWF

Als erster öffentlich finanzierter Forschungsförderer in Europa gründete der FWF mit der alpha+ Stiftung eine gemeinnützige Stiftung, um mit Philanthropie Österreichs Forschenden mehr Möglichkeiten in der Grundlagenforschung zu eröffnen. Ziel ist es, neue Forschungspreise entlang der UN Sustainable Development Goals zu etablieren und die wissenschaftlichen Karrieren hochtalentierter Nachwuchsforscher zu fördern. Derzeit werden über den FWF Forschungsprojekte im Ausmaß von 2,5 Millionen Euro pro Jahr durch private Zuwendungen finanziert.

Über den Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF

Der Wissenschaftsfonds FWF ist Österreichs führende Organisation zur themenoffenen Förderung der Grundlagenforschung sowie der künstlerisch-wissenschaftlichen Forschung. In einem internationalen Peer-Review-Verfahren fördert der FWF jene Forschenden und Ideen, die aufgrund ihrer wissenschaftlichen Qualität wegweisend sind. Die gewonnenen Erkenntnisse stärken Österreich als Forschungsnation und legen eine breite Basis, um zukünftigen gesellschaftlichen Herausforderungen besser begegnen zu können.

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LCG26164, 2026-07-08