Wien verliert internationale Shows, verteuert die Kultur schlagartig um circa 15 Prozent und riskiert fahrlässig rund 500 Millionen Euro Wertschöpfung
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Wien (LCG) – Die Interessengemeinschaft Österreichische Veranstaltungswirtschaft (IGÖV), die sich aus allen relevanten Veranstaltern des Landes zusammensetzt, ist durch das unreflektierte Vorhaben der Wiener Politik rund um Bürgermeister Michael Ludwig, Finanzstadträtin Barbara Novak und Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler sowie NEOS-Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling alarmiert.
Die Kultur- und Veranstaltungswirtschaft befindet sich durch Inflation und Kostensteigerungen in einer kritischen Situation: Aktuellen Studien zufolge sparen die Menschen aufgrund der grassierenden Teuerung bei Freizeitaktivitäten. Die Strafsteuer für Kulturinteressierte ist ein Geschenk an die US-Streamingdienste, die keine Wertschöpfung hierzulande leisten und sich über neue Abonnenten freuen, die sich keinen Kino-, Konzert- oder Museumsbesuch mehr leisten können. Kulturinteressierte und Familien werden ins Wohnzimmer verbannt. Das kulturelle Erlebnis bleibt gemäß des SPÖ-Vorhabens wohlhabenden Eliten vorbehalten, während für Familien der Zirkusbesuch zum unleistbaren Luxus wird. Den Erhalt kultureller Vielfalt delegiert die Kulturhauptstadt an die Privatwirtschaft, die ins Risiko und in Vorleistung gehen muss.
Zur Kasse gebeten werden alle Wiener. Massiv betroffen sind private Veranstalter und der Bund: Etwa 67 Millionen der berechneten 120 Millionen Strafsteuer entfallen auf private Veranstalter und die freie Szene. Weitere 40 Millionen entfallen auf Bundesmuseen und -spielstätten. Mit 13 Millionen bittet sich die Stadt Wien in ihrem absurden Vorhaben selbst zur Kasse.
Lebensfreude und gute Stimmung wie zuletzt am Wochenende unter 55.000 Fans der Toten Hosen wird der Stadt künftig geraubt.
Das Kulturbudget der Stadt Wien beläuft sich im Jahr 2026 auf 322,28 Millionen Euro. Mehreinnahmen von bis zu 120 Millionen Euro, die angeblich zweckgebunden verwendet werden sollen, würden eine Steigerung des Kulturbudgets um fast ein Drittel bedeuten. Selbst bei Berücksichtigung der weiterhin hohen Inflation und dem Wegfall der Landesabgabe aus der ehemaligen ORF-Gebühr von rund 6,5 Millionen Euro ist fraglich, was mit diesen massiven Mehreinnahmen geschehen soll. Wien zählt im internationalen Vergleich bereits heute zu den Metropolen mit den höchsten pro-Kopf-Ausgaben für Kultur.
„Der Wiener ‚Kulturteuro‘ ist nichts anderes als modernes kommunales Raubrittertum, mit dem man bereit ist, über Leichen zu gehen. Künstlerinnen und Künstler sind die Leidtragenden. Der ganze Kulturstandort Österreich ist betroffen. Veranstaltungen werden nicht nur in die Bundesländer abwandern, sondern gar nicht erst hierzulande stattfinden. Der Facettenreichtum der Wiener Kulturlandschaft wird erodieren und die Wienerinnen und Wiener bezahlen doppelt: für kulturelle Veranstaltungen und ein vermindertes Angebot“, hält Ewald Tatar (Barracuda Music) fest.
In einer wirtschaftlich herausfordernden Situation verhöhnt die Stadt mit ihrer geplanten Strafsteuer nicht nur Besucher, sondern auch Künstler aller Genres und Veranstalter, die den Facettenreichtum in der selbst titulierten Kulturhauptstadt Wien überhaupt erst ermöglichen.
„Internationale Tourneen machen nicht an Landesgrenzen halt – Städte und Märkte stehen in einem direkten Wettbewerb. Österreich ist gegenüber Deutschland allein durch die höhere Umsatzsteuer auf Tickets bereits um sechs Prozent im Nachteil. Kommen in Wien weitere 12,5 Prozent auf den Ticketpreis hinzu, wird daraus ein massiver Wettbewerbsnachteil. Coldplay haben 2024 vier ausverkaufte Konzerte im Ernst-Happel-Stadion gespielt und dabei pro Show rund fünf Millionen Euro Ticketumsatz – nicht Gewinn – erzielt. Eine Abgabe von 12,5 Prozent hätte für diese vier Konzerte rund 2,5 Millionen Euro zusätzliche Kosten bedeutet. Diese Millionen können weder Besucher noch Veranstalter oder Künstler einfach absorbieren. Die Konsequenz ist am Ende sehr einfach: Internationale Tourneen werden sich für wirtschaftlich attraktivere Städte entscheiden – und Wien wird nicht mehr bespielt“, erklärt Matthias Rotermund (Live Nation).
„Die jährliche Wertschöpfung der Kulturveranstaltungen in Wien beträgt circa vier Milliarden Euro. Allein eine Serie von Stadienkonzerten wie es sie von Taylor Swift oder Coldplay gab – und dann ziemlich sicher nicht mehr geben wird – generiert eine Wertschöpfung in Wien von je 100 Millionen Euro, womit die IGÖV mit einem Verlust von rund 500 Millionen Euro Wiener Wertschöpfung rechnet. Hiervon wird nur ein Bruchteil von den anderen Bundesländern aufgefangen werden können, der Rest wird für Österreich verloren sein. Neben den Veranstaltern bedanken sich die Hotelerie, die Gasthäuser und Wirte – sogar die Frisöre“, hält die Interessengemeinschaft Österreichische Veranstaltungswirtschaft fest.
Veranstalter bringen internationale Acts mit entsprechend hoher Wertschöpfung für die Stadt auf eigenes finanzielles Risiko und ohne jegliche Subvention der öffentlichen Hand nach Wien. Die Stadt möchte sich am unternehmerischen Risiko bereichern. Ein ausverkauftes Stadionkonzert bringt einen Ticketumsatz von rund fünf Millionen Euro. Die Abgabe in der Höhe von 12,5 Prozent würde bei einem einzigen Konzert Mehreinnahmen für die Stadt von 625.000 Euro zur bereits generierten Wertschöpfung bedeuten, ohne auch nur ansatzweise einen Beitrag zum Erfolg der Veranstaltung zu leisten. Gleichzeitig wird Wien im internationalen Vergleich durch die strukturelle Verteuerung unattraktiv: Standorte wie München, Prag oder Bratislava wären durch wirtschaftlich erheblich bessere Rahmenbedingungen und modernere sowie größere Stadien und Arenen die Gewinner in der Tourneeplanung internationaler Acts. Im Umfeld von Wien gibt es kaum einen gleichwertigen Ersatz für ein Ernst-Happel-Stadion oder die Wiener Stadthalle, die die größten Konzerte und Shows des Landes beheimaten. Schon heute ist der Trend zu beobachten, dass Großkonzerte in weniger Städten und dafür mit mehr Shows gastieren. Taylor Swift und Co. – die Stadt Wien kommunizierte damals eine Wertschöpfung von rund 100 Millionen Euro – werden künftig wohl nicht mehr in Wien gastieren.
„Wien degradiert sich zum neuen Minimundus in der internationalen Veranstaltungswirtschaft. In Oberwart oder Parndorf könnten Träume in Erfüllung gehen: Vielleicht plant Landeshauptmann Hans Peter Doskozil schon ein neues Stadion, wenn Wien sich vorsätzlich von Großkonzerten verabschiedet“, so Ewald Tatar (Barracuda Music).
Um kurzfristig das bereits sehr hohe Kulturbudget zu sanieren, riskiert die Stadtregierung unter Ludwig, Novak und Kaup-Hasler sowie Emmerling tausende Arbeitsplätze in einer Branche, die massiv zur internationalen Reputation der Bundeshauptstadt und Wertschöpfung beiträgt. Die Wertschöpfung würde durch die Einführung des „Kulturteuros“ um eine halbe Milliarde Euro sinken.
Beispielsweise müssen die Vereinigten Bühnen Wien aufgrund einer fragwürdigen Finanz- und Aufführungsstrategie mit rund 50 Millionen Euro subventioniert werden. Von einem „Kultureuro“ kann keine Rede sein, sondern nur von einem „Kulturteuro“: Bis zu 120 Millionen Euro will die Stadt Wien laut Hochrechnungen der Interessengemeinschaft Österreichische Veranstaltungswirtschaft durch die Hintertüre mit der 12,5-prozentigen Strafsteuer kassieren. Dem steht ein prognostiziert geringerer Ticketumsatz in gleicher Höhe entgegen, der sich sowohl auf private Veranstalter als auch auf Institutionen der öffentlichen Hand – Stadt und Bund – verteilt.
Dass kulturelle Erlebnisse für Familien damit kaum leistbar sind, scheint der Wiener Stadtregierung egal zu sein. Ebenso die wichtige Funktion der Kultur für den gesellschaftlichen Diskurs und das Gemeinschaftsgefühl. Von der Strafsteuer sind naturgemäß alle Künstler und Veranstalter betroffen – von Kleinkunst bis Theater, von Kabarett bis Musical, von Konzert bis Lesung, von Off-Theater bis Oper, von Club bis Museum, von freier Szene bis Kino oder Ball.
Während die Stadt Wien nur in kurzfristigen Einnahmen denkt, sind die negativen Auswirkungen der Strafsteuer weitreichend und werden die Steuerzahler im ganzen Land teuer zu stehen kommen lassen. Der Besuch von kulturellen Veranstaltungen und Events ist Teil des sozialen Lebens und ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe. Werden Menschen – insbesondere ältere Semester – durch überteuerte Preise am Besuch von Kultur-Events gehindert, führt dies zu sozialer Isolation und Vereinsamung; im schlimmsten Fall mit psychischen Erkrankungen als Folge.
Für Gäste aus dem Ausland wird Wien, das in vielen Branchen vom Tourismus abhängig ist, uninteressant. Höhere Preise für kulturelle Veranstaltungen und ein daraus resultierendes kleineres Angebot machen eine Reise in die Hauptstadt unattraktiv.
„Mit dem harmlos klingenden ‚Kultureuro‘ schafft Wien nicht nur Kultur ab. Wien schafft ab, wofür es international bekannt und beliebt ist. Die unreflektierten Pläne der Stadtregierung unter Ludwig, Novak, Kaup-Hasler und Emmerling sind nicht nur ein Schlag ins Gesicht der gesamten Kunst-, Kultur- und Veranstaltungslandschaft: Sie gefährden den Standort, kosten Arbeitsplätze und machen die Stadt in ihrer Gesamtheit unattraktiv“, so die Interessengemeinschaft Österreichische Veranstaltungswirtschaft einstimmig.
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