Zeitenwende: Tektonische Verschiebungen auf Bildschirm und Leinwand – BILD
ID: LCG25376 | 29.11.2025 | Kunde: FILMFESTIVAL KITZBÜHEL | Ressort: Medien Österreich | Medieninformation
Hochkarätig besetzte Think-Tank-Diskussion des Filmfestivals Kitzbühel im Starthaus des Kitzbüheler Ski Clubs am Samstagvormittag sieht Zukunftsstrategie für heimische Broadcaster und Filmschaffende in wettbewerbsfähigen paneuropäischen Plattformen, um gegen Big-Tech-Firmen zu bestehen.
Bilder zur Meldung in der Mediendatenbank: © BrauerPhototos/Andreas Kolarik
Kitzbühel (LCG) – Blick in die Zukunft mit Weitblick: Beim „TANKER“-Panel des Filmfestivals Kitzbühel widmen sich führende Medienmacher und Filmschaffende aus Österreich und Deutschland aktuellen Herausforderungen der Broadcaster und diskutieren Strategien für die Sicherung und Entwicklung des deutschsprachigen Medienmarkts. Die rückläufige Nutzung im linearen Fernsehen spüren alle Broadcaster, können diese Entwicklung im Streaming teilweise überkompensieren. Starke Allianzen sind vonnöten, um der globalen Konkurrenz zu entgegnen. Die Situation wird durch eine massive Werbekrise und Marktkonsolidierungen verschärft.
Michael Paul (Paul und Collegen) diskutiert mit Markus Breitenecker, Stefanie Groiss-Horowitz (ORF), Inga Leschek (RTL) und Moritz von Kruedener (Beta Film).
Geschäftsmodelle im Umbruch
Tech-Konzerne haben eine enorme Macht und entscheiden, was auffindbar ist und was die User sehen. Von Kruedener sieht eine Verschiebung von der Kreativ- zur Tech-Ökonomie: Das Geschäftsmodell besteht in der Auswertung und nicht mehr der Herstellung von Inhalten, wobei Künstliche Intelligenz den Prozess verändert. Im deutschsprachigen Raum ist es schwierig mit dem globalen Angebot mitzuhalten. Sportrechte sind für private Broadcaster kaum mehr leistbar, da global agierende Streamer sich die Rechte weltweit sichern und die Preise in die Höhe treiben. Sportrechte sind für Broadcaster jedoch elementar, um hohe Reichweiten zu generieren.
„Digitale Plattformen verändern das Geschäftsmodell von Produktionsfirmen langfristig zu einer Direktbeziehung mit dem Endkunden“, meint von Kruedener.
Groiss-Horowitz sieht eine wesentliche Aufgabe und Verantwortung der öffentlich-rechtlichen Broadcaster, den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu erhalten, während Tech-Firmen die Tonalität verrohen und Polarisierung vorantreiben. Sie ist zuversichtlich, dass Fernsehen seine Relevanz durch die Schaffung von gemeinsamen Erlebnissen in der Eventisierung von Fiktion und Unterhaltung bewahren wird. Den Eurovision Song Contest bezeichnet sie als Paradebeispiel für die gemeinsame Kraft der Broadcaster, länderübergreifend emotionale und relevante Events zu gestalten. Breitenecker hingegen hebt den Trend zur Hyperpersonalisierung hervor, der zu einer weiteren Marktfragmentierung führt.
Breitenecker glaubt nicht daran, dass Streaming-Modelle in der heutigen Form das wirtschaftliche Überleben der Broadcaster sichern werden. Drastische Kostenreduktionen durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz werden ebenso notwendig sein, wie die Entwicklung komplett neuer Geschäftsmodelle. Die Streamer verwandeln sich zu Aggregatoren und setzen verstärkt auf Qualitäts-Content der Broadcaster, deren Marken in diesem Umfeld nachhaltig geschwächt und verwässert werden.
Teilen ist das neue Haben
„Teilen ist das neue Haben: Die eigene Plattform reicht im Wettkampf um Aufmerksamkeit kaum mehr aus, um neue Angebote an das Publikum zu vermitteln. Die Zukunft liegt in strategischen Kooperationen – auch mit Mitbewerbern –, um Produktionen zu finanzieren und Reichweiten zu erzielen“, berichtet Leschek aus der Praxis.
Kooperationen zwischen dem öffentlich-rechtlichen ORF mit anderen Broadcastern haben in Österreich eine lange Tradition, um sowohl Zielgruppen zu erreichen als auch Finanzierungen für österreichische Inhalte zu sichern. Produktionen auf Weltniveau, die nationale Wertschöpfung sichern, sind nur in kooperativen Modellen finanzierbar.
Von Kruedener sieht das Ende der internationalen Finanzierungspartnerschaften kommen, da sich Märkte immer lokaler entwickeln.
„Große Fiction ist nur finanzierbar, wenn die Auswertung möglichst breit erfolgt“, so von Kruedener.
Breitenecker warnt davor, Inhalte auf YouTube zu verschenken, da die Reichweite dem Alphabet-Unternehmen gehört und es die Spielregeln jederzeit ändern kann. Das aktuelle Nutzungsverhalten lässt den Broadcastern mittlerweile keine andere Möglichkeit mehr, als sich dem Diktat des Tech-Giganten zu fügen, um Zielgruppen zu erreichen. Leschek hat die Hoffnung, Menschen über die Plattformen mit der Broadcaster-Marke zu erreichen und sie auf die eigenen Kanäle zurückzuführen.
„Digitale Kanäle auszulassen, ist keine Option. Der notwendige Veränderungsprozess zu gemeinsamen, wettbewerbsfähigen Lösungen muss von den Medienunternehmen aktiv angetrieben werden“, sagt Groiss-Horowitz.
„Der europäische Medienmarkt braucht eine harte Regulierung und eine protektionistische paneuropäische Haltung, um sich zu behaupten“, fordert Breitenecker.
Die Zukunft für europäische Medien kann in einem gemeinsamen paneuropäischen Player liegen, wie ihn Media for Europe anstrebt. Erfolgsversprechend wäre die Bündelung nationaler Champions zu einem gemeinsamen Angebot, das sich gegen die Big-Tech-Firmen behaupten kann. Versuche sind bisher aus nationalen Interessen der einzelnen Broadcaster gescheitert. Breitenecker mutmaßt, dass der monetäre Leidensdruck trotz der seit Jahren schwierigen Situation noch nicht hoch genug ist.
Über das Filmfestival Kitzbühel
Seit 2013 ist das von Michael Reisch, Mike Mayr-Reisch, Nina Hipfl-Reisch, Kathryn Perrotti und Josef Obermoser gegründete Filmfestival Kitzbühel Anziehungspunkt für die deutschsprachige Film- und Fernsehszene. Neben einem kuratierten Publikumsprogramm verschreibt sich das Filmfestival Kitzbühel unter der Leitung von Direktor Markus Mörth der Nachwuchsförderung. Zahlreiche Networking-Formate wie „FFKB Connect“, Experten-Panels und der Think Tank machen das Filmfestival Kitzbühel zur Diskursplattform für die Film-, Unterhaltungs- und Kulturwirtschaft. Die Drehbuchklausur gibt jungen Talenten drei Wochen lang die Möglichkeit, ihre Stärken zu vertiefen und gemeinsam mit international anerkannten Experten an ihrem dramaturgischen Werk zu arbeiten. 2025 wird erstmals die „KURIER ROMY“ im Rahmen des Filmfestival Kitzbühel verliehen. Weitere Informationen auf ffkb.at
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