iab Conference Day: Premiere mit thematischer Bandbreite – BILD
ID: LCG26198 | 28.08.2026 | Kunde: iab austria - interactive advertising bureau | Ressort: Wirtschaft Österreich | Medieninformation
Vor fünf Jahren als Programmatic Day gestartet, geht am Donnerstag erstmals der iab Conference Day mit hochkarätiger Besetzung im Hyatt Regency Vienna über die Bühne und widmet sich aktuellen Themen der Digitalwirtschaft. Martin Andree warnt in seiner Keynote vor dem Abschied von der Demokratie in die Digitalokratie.
Bilder zur Meldung in der Mediendatenbank: © iab austria/Katharina Schiffl
Wien (LCG) – Nach fünf Jahren Programmatic Day ist der iab Conference Day mit einem erweiterten Themenfeld und internationaler Beteiligung die logische Weiterentwicklung des Erfolgsformats. Er widmet sich aktuellen Themen wie Medienpolitik, Digital Fairness, Künstlicher Intelligenz, Bewegtbildwerbung im Broadcaster-Umfeld, Gefahren für die Demokratie durch Big Tech, Lösungen für zunehmende Komplexität, wirklich relevanten Kennzahlen, Vergütungsmodellen der Zukunft und dem Wert der Arbeit im KI-Zeitalter oder einem neuen Verständnis von Führung. Internationale Speaker wie Martin Andree (Universität zu Köln), Dimitris Beis und Daniel Knapp (IAB Europe) laden im Austausch mit nationalen Experten der Digitalwirtschaft zu einem Blick über den Tellerrand.
„Der iab Conference Day behandelt die gesamte Bandbreite der Themen, die die Digitalwirtschaft beschäftigen. Besonderes Augenmerk gilt der Medienpolitik, in der das iab austria ein verlässlicher Dialogpartner ist“, begrüßt iab-austria-Präsident Hannes Wurzwallner (cptr Austria). „Der iab Conference Day macht Mut, neue Themen anzugehen und Veränderung zu gestalten. Es ist Zeit, die Ärmel aufzukrempeln und anzupacken!“
„Die Weiterentwicklung zum iab Confrence Day schafft mehr Vernetzung, Inspiration und Wissen für die Branche und stärkt auch die Anbindung an unsere internationalen Schwesterorganisationen“, so iab-austria-Vizepräsidentin Rut Morawetz. „Nicht die Technologie entscheidet, sondern der Mensch. Wir können stolz sein auf unsere europäischen Werte und dürfen mutig und mit Selbstbewusstsein agieren. Mit dem iab Conference Day ermutigen wir zu mehr Mitgestaltung.“
Digitalokratie: Abschied von der Demokratie
Bisher lebten wir in der Annahme, dass Staaten die Pressefreiheit bedrohen würden. Die aktuelle Bedrohung der Medienfreiheit geht laut Martin Andree (Universität zu Köln) jedoch von den digitalen Plattformen aus. Die Angebotsvielfalt täuscht über die Konzentration auf einige wenige Digitalgiganten hinweg. Von rund 18 Millionen Angeboten aus Websites und Apps konzentriert sich der Löwenanteil auf Monopole der Plattformen und einen großen Friedhof der restlichen Angebote. Youtube, Google, Facebook, Whatsapp, Tiktok und Co. teilen sich das Gros der Nutzungszeit. In ihren Bereichen sind diese Plattformen jeweils Monopolisten. Durch regulatorische Fehlentscheidungen und geschlossene Standards ist es den Plattformen gelungen, den fairen Wettbewerb abzuschaffen und den Traffic innerhalb ihrer Konzernprodukte zu halten. Selbst Politiker sind den Regeln der Plattformen unterworfen und fügen sich ihren Mechanismen der Polarisierung. Respekt, Debatte, Dialog, Verständigung und Austausch haben keinen Platz in der digitalokratischen Öffentlichkeit, die Polarisierung, Desinformation, Hass, Hetze und Häme fördert. Aus ihrem Wunsch nach der Abschaffung der Demokratie machen die Big-Tech-Akteure seit den 1990er-Jahre keinen Hehl.
„Den Feudalherren gehört das Netz! Das freie Internet wurde zu einer Infrastruktur degradiert und ist nahezu leer von Traffic, während das Interesse bei den Big-Tech-Plattformen gebündelt wird. Freie Medien gehen in dieser Konstellation mangels Finanzierbarkeit verloren. In der Digitalokratie werden Angebote dorthin gezwungen zu gehen, wo der Traffic ist, und damit gratis für Monopolisten zu arbeiten“, zeigt Andree auf.
Bereits 30 Prozent der europäischen Hersteller verdienen auf Amazon kein Geld mehr, was dem Konzern keine Sorgen bereitet: Daten, Konzepte, Produkte und andere Werte hat sich Amazon bereits zuvor gesichert. Mit generativer KI rollt die nächste Welle auf die Gesellschaft zu, mit der sich die Digitalgiganten den Markt der Dienstleistung erobern wollen.
Die Befreiung des Internets und die Zerschlagung der Monopole wäre leicht zu bewerkstelligen, so Andree. Die Öffnung von Outlinks und offene Standards für Plattform-Content würden Sichtbarkeit wieder demokratisieren. Andree schlägt vor, den Marktanteil für digitale Medien mit 30 Prozent zu begrenzen und die Monetarisierung von strafbaren Inhalten zu ahnden. Zudem braucht es eine wirtschaftliche Trennung von Übertragungsweg und Inhalt.
Medienpolitik neu denken
Über die Zukunft von Österreichs Publishern und deren Vermarktern diskutieren mit Tom Peruzzi (P-Hold) Martin Andree (Universität zu Köln), Gertraud Auinger-Oberzaucher (Abgeordnete zum Nationalrat, NEOS), Sigrid Maurer (Die Grünen), Michael Prüwasser (Der Standard) und Matthias Seiringer (ORF-Enterprise).
Medienförderungen dürfen den Staat nicht zum neuen Gatekeeper machen. Die neue österreichische Medienförderung lässt jedoch eine Kommission Inhalte beurteilen, statt eine Vergabe an objektivierbaren Kriterien zu regeln. Seitens der Politik wird eine einheitliche Position der österreichischen Medien gefordert, um konstruktiv Lösungen zu gestalten. Für Andree wäre die Öffnung von Outlinks ein erster wichtiger medienrechtlicher Schritt, um mehr Wettbewerbsgerechtigkeit zu schaffen. Nationale Kooperationen müssen durch den Abbau kartellrechtlicher Vorgaben vereinfacht werden, um bestehenden Angeboten eine wirtschaftliche Perspektive zu geben. Höhere Mittel für die Medienförderung ließen sich durch eine Anhebung der Digitalsteuer lukrieren. Der Staat ist in erster Linie gefordert, faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen und geltendes Recht durchzusetzen. Förderungen verstärken die Aussagen der Digitalgiganten, die in redaktionellen Medien staatlichen Einfluss einer Elite sehen. Ein wesentlicher politischer Hebel ist die Förderung der Medienkompetenz.
„In einem kleinen Markt wie Österreich ist es wichtig, kooperative Infrastruktur zur fördern. Derzeit ist die Kooperationsfähigkeit österreichischer Medien fast nicht vorhanden. Die Medienbranche sollte sich auf einheitliche politische Positionen einigen“, sagt Maurer.
„Die Politik muss raus aus den Medien und öffentliche Inserate gehören als versteckte Medienförderung abgeschafft. Europa muss sich als starker Markt gegen die US-Dominanz aufrichten“, meint Auinger-Oberzaucher.
„Die Plattformen müssen in die Pflicht genommen, Privilegien abgeschafft und bestehende Gesetze konsequent durchgesetzt werden. Sinnvoll und zur Stärkung des heimischen Medienmarktes nationalstaatlich in Österreich umsetzbar wären auch steuerliche Maßnahmen zur Begünstigung von Werbung in nationalen Medien. Der Alleingang Österreichs bei der Digitalsteuer ist durchaus positiv zu werten, auch wenn über die Höhe und Umsetzung weiter nachgedacht werden muss“, so Seiringer.
„In der Digitalokratie helfen Förderungen nicht, um Sichtbarkeit zu steigern. Das Internet ist eine unfreie Zone, die von US-Monopolisten besetzt wird. Wir müssen aufhören dem Narrativ der Digitalgiganten zu folgen. Regulierung, die Monopole zerschlägt, ist Befreiung“, appelliert Andree an die Politik.
„Ein Marktplatz, der Demokratie und Diskurs ermöglicht, wurde durch einige wenige Player aus den Angeln gerissen. Es muss nichts neu erfunden werden: Gleiche Regeln müssen für alle gelten“, unterstreicht Prüwasser.
Kapitalallokation verändert die Digitallandschaft: Europa braucht übergreifende Infrastruktur
Daniel Knapp, Chefökonom des IAB Europe, führt in seiner Keynote aus, wie essenziell Werbeausgaben der Unternehmen in ihrer Kommunikation mit den Investoren sind. Während Marketingausgaben einen Höchststand erreichen, steigen Umsätze nicht proportional. In der Kapitalmarktkommunikation unterscheiden sich die Aussagen der Unternehmen von der Realität: Viele sprechen von Künstlicher Intelligenz, Personalisierung, Harmonisierung, Konsumentenzentrierung oder Skalierung, während das Buchungsverhalten eher konservativ ist. Digitale Werbung ist zum Marktplatz für Medien geworden, auf dem diese im Wettbewerb zueinanderstehen. Digitalwerbung hat in Europa einen Anteil von 70 Prozent an den Gesamtspendings. Das Digitalwachstum ist jedoch nicht gleich verteilt, sondern hoch konzentriert.
„Künstliche Intelligenz hat als Zauberwort der Kommunikation Digitalisierung abgelöst, bewahrheitet sich aber oft als leere Worthülse“, so Knapp. „Wer es einfach macht, Geld auszugeben, gewinnt in der digitalen Welt. Die vermeintliche Nachweisbarkeit von Zahlen macht einige wenige Plattformen zu Siegern im Rennen um die Allokation von Werbeinvestitionen. CFOs werden immer mehr zu Entscheidern über Werbeinvestitionen.“
Derzeit kommt es zu Verschiebungen in der Kapitalallokation durch den Eintritt von OpenAI in den Werbemarkt. Trotz der Reife ihrer Plattformen verzeichnen Digitalgiganten wie Alphabet, Amazon und Meta weiterhin ein starkes Wachstum.
Den europäischen Digitalmarkt bezeichnet Knapp als zu fragmentiert und spricht sich für Konsolidierungen aus, um Werbetreibenden den Zugang zu Angeboten zu vereinfachen. Dazu wird es eine übergreifende Infrastruktur über einzelne Märkte hinweg brauchen.
Bereits jetzt entscheidet Künstliche Intelligenz in Europa über 13 Prozent der Budgetplatzierungen für Werbung. Bis 2030 wird das Volumen laut Knapp auf rund 60 Milliarden Euro anwachsen.
Agenturen sind gefordert, da immer mehr Wertschöpfungsbereiche durch die globalen Plattformen abgedeckt werden und Künstliche Intelligenz weite Teile von Kreation und Mediaplanung übernimmt. Dadurch kommt es zu gravierenden Verschiebungen der Geschäftsmodelle. Aktuell erkennt Knapp eine Margenerosion. Er geht davon aus, dass sie künftig Systeme und nicht Dienstleistungen anbieten werden.
Das Attributions-Dilemma: Lügende Marketingzahlen
Marketing, Werbung und Technologie seien zu einem „Madtech“-Markt zusammengewachsen, ist Irene Montone (Nexoya) überzeugt. Sie zeigt, dass aktuelle Reportings vom Design her falsch sind, da sie auf Eigenangaben der Plattformen beruhen und nicht harmonisiert sind. Während der Digitalmarkt von Künstlicher Intelligenz dominiert wird, basieren die gängigen Messmethoden auf Standards, die 20 Jahre alt sind und sich großteils an demografischen Merkmalen orientieren. Das Datenmaterial ist kaum geeignet, um in Echtzeit Entscheidungen und Vorhersagen zu treffen. Um wirkliche Verbesserungen und Optimierungen zu erzielen, braucht es qualitative Attribution.
KI-Agenten werden das Problem laut Montone jedoch nicht lösen. Es mangelt ihnen an First-Party-Daten und sie können Analysen lediglich beschleunigen, die Komplexität der Daten jedoch nicht verstehen.
„Wenn Echtzeitdaten valide Voraussagen und Entscheidungen ermöglichen, werden Medien nicht mehr als Kostenfaktor, sondern als Profitmöglichkeit gesehen. Dafür müssen Werbetreibende die Kontrolle über den gesamten Measurement-Stack gewinnen. Künstliche Intelligenz vereinfacht die Analyse und beschleunigt Entscheidungsprozesse“, erklärt Montone.
Künstliche Intelligenz im Digitalmarketing: Eine Frage der Standards
Schon vor der offiziellen Präsentation auf der DMEXCO in wenigen Wochen stellt Dimitris Beis vom IAB Europe erste Ergebnisse einer aktuellen Studie über den Status quo von Künstlicher Intelligenz im Digitalmarketing vor. Schon seit geraumer Zeit ist Onlinewerbung von Automatisierung geprägt, die nun durch Künstliche Intelligenz vorangetrieben und verbessert wird. Im Bereich der Reportings, programmatischen Optimierung und Mediaplanung spielt sie bereits jetzt eine wichtige Rolle und vereinfacht und beschleunigt bestehende Arbeitsabläufe. Bereits jetzt werden viele Arbeitsabläufe an KI-Agenten delegiert und werden nur mehr von Menschen überwacht. Unterschiedliche Standards und fragmentierte Technologien im digitalen Ökosystem erschweren derzeit noch den weitreichenden Einsatz Künstlicher Intelligenz über unterschiedliche Kanäle und Plattformen hinweg. Die Medien werden entscheidend sein, welche Strategien letztlich implementiert werden.
„Je einfacher die Nutzung von Künstlicher Intelligenz wird, desto lauter wird es werden und wirkliche Kreativität wird aus dem Lärm herausstechen“, sagt Beis voraus.
Große Veränderungen finden bereits jetzt statt: Künstliche Intelligenz entzieht Publishern Zugriffe und Konsumenten lassen Einkäufe durch Agenten erledigen. Die Verluste der Medien und ihrer Vermarkter können nur zum Teil durch höhere Preise kompensiert werden. Beis geht von steigenden Kosten für Tokens aus, während er Werbung in KI-Agenten kritisch gegenübersteht. Der überbordende Energiebedarf wird die Preise für Künstliche Intelligenz weiter in die Höhe treiben. Unternehmen sind gut beraten, sich nicht zu sehr in Abhängigkeit von einzelnen Anbietern zu begeben.
Anforderungen an Führungskräfte und die Zukunft der Vergütungsmodelle
Als Scwhellentechnologie steht Künstliche Intelligenz vor dem großen Sprung, der für Unsicherheit und Angst sorgt, lautet das Urteil von Andreas Rau (Meta). Mit über drei Milliarden Usern pro Tag und 22 Millionen Unternehmen, die Werbung schalten, ist Meta ein Schwergewicht in der digitalen Werbelandschaft. Ein Großteil der Agenturen und Werbetreibenden kommt schon heute ohne persönliche Betreuung aus. Künstliche Intelligenz hebt in der Kreation das Niveau, ersetzt aber menschliche Kreativität nicht. Durch Künstliche Intelligenz werden Kreative bei Meta durch Vorschläge für zielgruppenrelevante Mutationen von Sujets unterstützt. Die Stärkung der Automation steigert dabei die Qualität der Voraussagen. Agentic AI liefert Werbetreibenden Insights sowohl zu ihrer laufenden Kampagne als auch zum Markt und ihrer Branche.
Künstliche Intelligenz reduziert den Widerspruch zwischen Qualität, Kosten und Geschwindigkeit. Die Zukunft für Agenturen sieht er in umsatzbezogener Outcome-Vergütung (Outcome-Based Remuneration Models). Derzeit mangelt es noch am Datenaustausch zwischen Kunden und Auftraggebern, der zu geringem Vertrauen auf beiden Seiten führt. Unternehmen, die schneller lernen und eine Wachstumskultur prägen, werden im Vorteil sein.
„Eine wirkliche Wachstumskultur baut auf ständigem Lernen, Feedback als Chance und einem konstruktiven Umgang mit Fehlern auf. Daraus lernen Teams, dass Künstliche Intelligenz keine kreative Stimme ergänzt, sondern sie verstärkt. Gelebte Wachstumskultur wird zur Voraussetzung, um frühzeitig von neuen Vergütungsmodellen zu profitieren und sich Künstliche Intelligenz für den eigenen Erfolg nutzbar zu machen“, erklärt Rau.
Welche Kennzahlen wirklich zählen
Werbetreibende und Agenturen sind mit durchschnittlich mehr als 100 Kennzahlen konfrontiert. Welche wirklich relevant sind, diskutieren mit Lena Artes-Stockinger (Mediaplus Austria) Christoph Gabriel (Mediamarkt), Markus Huber (Refurbed), Thomas Ilk (Bacon & Bold), Andreas Rau (Meta), Johanna Schodl-Prüwasser (Wien IT) und Maresa Wolkenstein (COPE Content Performance Group).
Für einen Retailer wie Mediamarkt ist der Umsatz die wesentliche Größe, gefolgt von der Aufmerksamkeit und Qualität des Kontakts. Wien IT legt großen Wert auf das Umfeld, während sich Refurbed nicht auf eine singuläre Metrik verlässt. Den Werbedruck sieht man in der COPE Group als unterschätzt, da eine Impression allein wenig bei den Konsumenten auslöst. Nur Impressionen haben für Bacon & Bold zu wenig Aussagekraft über den Erfolg einer Kampagne, da es vorrangig um die Wirkung der Creatives auf einzelnen Kanälen bei der jeweiligen Zielgruppe geht. Meta rät zu Attributionsmodellen und mehr Experimentierfreude.
„Es geht nicht nur um die Kontaktqualität, sondern um die Medienqualität“, unterstreicht Wolkenstein.
„Publisher werden durch ihre Greifbarkeit leicht in die Pflicht genommen, während bei den Big-Tech-Plattformen Probleme mit der Brand Safety hingenommen werden – bei ihnen versuchen wir, mit einem Bobby Car einen Ferrari einzuholen“, hält Schodl-Prüwasser fest.
„Durch richtige Optimierung und Aussteuerung werden viele Fragen der Umfeldsicherheit gelöst. Die Plattformen dürfen wir jedoch nicht aus der Verantwortung für Brand Safety nehmen“, so Ilk.
„Um Brand Awareness zu messen, führt kein Weg an einer sauberen Marktforschung vorbei“, hält Wolkenstein fest.
„Marken brauchen eine klare Hierarchie der Unternehmensziele, um diese richtig zu messen“, meint Rau.
„In Österreich stehen wir noch immer vor der Herausforderung, simple Kennzahlen wie die Kontaktfrequenz über alle Mediengattungen hinweg zu messen“, kritisiert Gabriel.
„Wir müssen besser verstehen, wie Daten entstehen. In der Argumentation vieler Publisher fehlt es an Datengetriebenheit und Empirie für gesicherte Entscheidungen“ bemängelt Huber.
Faire Leistung, unsichtbare Arbeit – Wert, Preis und Qualität in der KI-Ära neu verhandeln
Unter der Moderation von Julia Eisner (Woman in AI) diskutieren beim ersten Panel des iab Conference Day Anna Benda (Achtzehn Grad), Iris Handlsberger (e-dialog), Stefanie Winkler-Schloffer (A1) und Andreas Vretscha (WPP Media).
A1 nutzt Künstliche Intelligenz erfolgreich, um die Regionalisierung zu skalieren. WPP Media arbeitet bereits nahtlos in einem geschlossenen Ökosystem. Auch Achtzehn Grad hat Künstliche Intelligenz komplett in die Prozesse integriert, während e-dialog eigene End-to-End-Plattformen geschaffen hat. Winkler-Schloffer berichtet von Effizienzsteigerungen und einem sinkenden Wert der Werkbank, während Intelligenz und Kreativität an Wert gewinnen. Bei Achtzehn Grad steigt die Geschwindigkeit in der Produktion, wobei mehr Zeit in die Ideenfindung fließt und die gewonnene Zeit in menschliche Intelligenz investiert wird. Benda warnt vor dem Einsatz von zu viel Künstlicher Intelligenz in der Kreation, da viele Menschen ablehnend darauf reagieren. Einigkeit besteht darüber, dass Künstliche Intelligenz hohe Kosten verursacht und Auftraggeber darauf sensibilisiert werden müssen. Potenziellen Effizienzsteigerungen stehen wachsende Kosten für die Technologie gegenüber. Die Kosten der Tokens werden zum Gamechanger und über die Intensivität der KI-Nutzung entscheiden.
Kreative Ideen, messerschaffe Strategien, kulturelles Verständnis und Kreation, die berührt, hat für Winkler-Schloffer weiterhin ihren Wert. Erfahrung und Insights sowie Seniorität machen den Unterschied und stellen den Wert der Agenturleistung dar. Benda warnt aufgrund des Wertes des Kreativprozesses, sich ausschließlich auf Künstliche Intelligenz zu verlassen. Insbesondere Juniors müssen ermutigt werden, eigene Gedanken zu finden und sich nicht nur von Technologie leiten zu lassen. Vretscha geht davon aus, dass Künstliche Intelligenz im Zusammenspiel mit menschlicher Erfahrung und Urteilsvermögen das Qualitätsniveau heben wird. Handlsberger warnt davor, den Druck und die Geschwindigkeit durch Technologien zu hoch werden zu lassen, da weiterhin der Mensch im Vordergrund steht.
„Der Mensch muss kuratieren und die Oberhand behalten. Die Künstliche Intelligenz geht meist den Weg des geringsten Widerstands, während der Mensch kulturelles Verständnis und Gespür hat“, betont Benda.
„Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz gewinnen wir Geschwindigkeit und Flexibilität. Der Kern und Fokus unserer Arbeit werden in wenigen Jahren ein anderer sein“, berichtet Vretscha aus der Praxis. „Kunden bezahlen für ein gutes Produkt und Künstliche Intelligenz ermöglicht es Agenturen, ein noch besseres Produkt zu liefern.“
„Das ganze Team ist geordert, um das Beste aus den Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz herauszuholen und Erfahrungen aus allen Teilbereichen einzubringen“, sagt Winkler-Schloffer. „Für richtige Entscheidungen braucht es weiterhin den Diskurs und die kritische Auseinandersetzung.“
„Künstliche Intelligenz bringt die einzelnen Units enger zusammen und fördert die übergreifende Zusammenarbeit“, meint Handlsberger. „Wir müssen die Systeme immer kritisch hinterfragen. Sie verstehen menschliche Züge wie Humor oder Empathie nicht.“
Digital Out Of Home: Die letzte stabile Säule im Mediamix sorgt für eine gemeinsame Medienerfahrung
Die großen Lagerfeuer der Kommunikation sind laut Andreas Miksik (Gewista) erloschen. Sie gaben Touchpoints vor, über die gesprochen wurde und die Marken ein reichweitenstarkes Umfeld gaben. Die Betreiber der „Walled Gardens“ bestimmen den Zugang zu Inhalten und Funktionen sowie die eigenen Spielregeln und haben Kontrolle über die Nutzungsdaten in ihren Ökosystemen. Die gemeinsame Medienwirklichkeit ging durch intransparente Algorithmen und mangelnde Brand Safety verloren. Kampagnen werden über algorithmische Blackboxes ausgespielt, wodurch Werbetreibende immer weniger Verständnis für ihre Kampagnen und kein zusammenhängendes Bild der Customer Journey haben. Häufig werden Nutzer erreicht, die bereits kurz vor dem Kaufabschluss standen, während die Möglichkeiten zum Erreichen neuer Endkonsumenten limitiert sind.
Digital Out Of Home ist im realen Leben durch die kollektive Wahrnehmung verankert und kombiniert Flexibilität mit Geschwindigkeit. Werbetreibende profitieren von Transparenz und Nachvollziehbarkeit und einem klaren, planbaren Rahmen sowie absoluter Umfeldsicherheit. Nachgelagerte Performance-Kanäle schaffen ein gemeinsames Medienerlebnis und sprechen neue Zielgruppen an. Digital Out Of Home versorgt sie mit qualifizierten Leads und Interesse.
„Digital Out Of Home passiert im echten Leben und ist glaubwürdig. Die Größe der Screens erlaubt echte Markeninszenierung, wie sie auf einem Smartphone-Display nicht möglich ist. Menschen werden durch relevante Botschaften erreicht, ohne in ihre Privatsphäre einzudringen“, ist Miksik überzeugt.
Quo vadis programmatische Werbung in Zeiten der Künstlichen Intelligenz?
Konsumenten entscheiden sich nicht für einzelne Kanäle, sondern wollen Momente erleben. Die daraus zunehmenden Opportunitäten schaffen noch mehr Komplexität in der Mediaplanung. Werbetreibende und Agenturen geraten dadurch stark unter Druck – durch zunehmende Fragmentierung, Datenkontrolle sowie komplizierte Mess- und Analysemethoden. Auf funktionaler Ebene, bei Daten und im gesamten Ökosystem sei Simplifizierung unbedingt erforderlich, meint Andreas Grasl (Adform). Die nächste Evolutionsstufe werde Agentic Advertising sein. Adform hat als globaler Vorreiter bereits die gesamte Ad-Server-Infrastruktur für Agentic Advertising geöffnet. Auftraggeber kommunizieren dabei mit ihrem gewohnten KI-Agenten und müssen nicht mehr in die technische Plattform von Adform eintauchen. Nach Klärung rechtlicher Details steht der Weg für ein vollautomatisiertes Media-Geschäft offen.
„Von Komplexität zu Klarheit: Agents kommunizieren vollkommen autonom untereinander. Mediaplanung wird dadurch so einfach wie nie zu vor“, beschreibt Grasl die Innovation.
Die digitale Konsumentenentscheidung: Traditionsreiche Plattform als Quelle für Künstliche Intelligenz
Immer mehr Kanäle führen zu steigender Unsicherheit. Während es einfach ist, Reichweite einzukaufen, wird Sichtbarkeit immer schwieriger zu erreichen. Künstliche Intelligenz steigert die Komplexität zusätzlich. Zwei Drittel der Menschen suchen nach Produkten im Internet vor dem Kauf und 92 Prozent nutzen Künstliche Intelligenz mindestens einmal im Monat. Allerdings vertraut nur jeder Fünfte den Ergebnissen der Künstlichen Intelligenz. Reddit zählt zu den wichtigsten Quellen für Künstliche Intelligenz. Es existiert bereits seit 21 Jahren und ist die größte Quelle menschlicher Interaktion im Internet. User gehen bewusst auf Reddit, um sich über Marken und Produkte zu informieren und erhalten Antworten von echten Menschen.
„Auch im digitalen Umfeld vertrauen Menschen in ihrer Entscheidungsfindung auf menschliche Meinungen. Durch die hohe Relevanz für KI-Agenten ist Reddit die Plattform für Konsumentenentscheidungen“, führt Peter Mittermayer (Aleph) aus.
Jede Woche entsteht mehr Content auf Reddit als auf Wikipedia, wobei die Konversationen über Produkte und Dienstleistungen im letzten Jahr um 20 Prozent gestiegen sind. Mehr als ein Drittel der Unterhaltungen widmet sich diesen Inhalten. Über 80 Millionen User nutzen die Plattform jede Woche zur Suche, wobei sich die Suchanfragen vom ersten auf das zweite Quartal 2025 verfünfzehnfacht haben.
Video-Targeting in ganz Europa
In Europa werden durchschnittlich 5:24 Stunden Bewegtbild konsumiert, wobei Broadcaster-Inhalte das höchste Vertrauen genießen. Der europäische Markt ist von starken lokalen Marken und wenigen multinationalen Playern geprägt, die am ganzen Kontinent gesehen werden. RTL AdAlliance arbeitet mit dem European Video Marketplace daran, dieses fragmentierte Inventar so einfach buchbar zu machen wie die die globalen Plattformen. Pieter van den Bergh und Ricarda Lederle (RTL AdAlliance) präsentieren Smart Audiences, die anhand unterschiedlicher Daten nach Affinitäten gruppiert werden. Mit Smart Accounts wird das B2B-Segment abgedeckt, wodurch spezifische IP-Adressen adressiert werden können. In den Media Collections sind unterschiedliche Bewegtbild-Typen in Kollektionen (CTV, All Screen Video oder KPI Collection) zusammengefasst. Über den AdManager können Werbetreibende und Agenturen ihre Kampagne sowohl direkt als auch programmatisch buchen. Über das Tool kann auch Werbung in lokalen Umfeldern gebucht werden, womit Spots im Broadcaster-Umfeld in wenigen Klicks gekauft werden können.
„In einer komplexen europäischen Medienlandschaft machen wir Inventar einfach zugänglich, stärken europäische Broadcaster und geben Werbetretreibenden einen einfachen Zugang in das Qualitätsumfeld der Broadcaster“, fassen Ledere und van den Bergh zusammen.
Über das interactive advertising bureau austria (iab austria)
Mit über 200 Mitgliedern aus allen Teilbereichen (Verlagshäuser und Medienunternehmen, Werbetreibende, Agenturen, technische Dienstleister und Start-ups) ist das iab austria die größte unabhängige Interessenvertretung der österreichischen Digitalwirtschaft. Das iab austria entwickelt im Dialog der spezialisierten und vernetzten Arbeitsgruppen mit allen Stakeholdern holistische Sichtweisen und vertritt die Interessen der gesamten Digitalwirtschaft konsensual. Um den Digitalstandort zu stärken, entwickelt das iab austria technische und rechtliche Standards sowie Aus- und Weiterbildungsprogramme, fördert den Wissensaustausch durch Veranstaltungen und Publikationen, veranstaltet mit dem iab webAD den wichtigsten Preis der Digitalwirtschaft und vertritt die politischen Interessen auf nationaler und europäischer Ebene. Weitere Informationen auf iab-austria.at
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